Der Begriff Pflegestelle wird besonders im Zusammenhang mit dem Tierschutz oft in den Raum geworfen, doch viele können sich nicht viel darunter vorstellen. Wenn du überlegst, einem Hund aus dem Tierschutz vorübergehend ein Zuhause zu geben, zeigen wir dir hier, was du wirklich wissen musst.
Was ist eine Pflegestelle für Hunde genau?
Eine Pflegestelle nimmt einen Hund eines Vereins für unbestimmte Zeit bei sich zu Hause auf, um ihm eine bessere Chance zu bieten, ein passendes dauerhaftes Zuhause zu finden. Als Pflegestelle kannst du den Charakter des Hundes oft besser einschätzen als der Verein selbst, da du dich nicht um ein ganzes Tierheim kümmern musst, sondern dich intensiv auf einen Hund konzentrierst.
Besonders bei Hunden aus dem Ausland kommt eine wichtige Aufgabe hinzu: Sie sollten zunächst unter geeigneten Bedingungen in Quarantäne untergebracht werden, da Krankheitserreger sonst auf vorhandene Tiere oder Menschen übertragen werden könnten (Quelle: Deutscher Tierschutzbund, https://www.tierschutzbund.de/tiere-themen/haustiere/hunde/hundehaltung/). Normale private Pflegestellen können solche Quarantänebedingungen allerdings häufig nicht gewährleisten, weshalb hier oft spezialisierte Stellen gefragt sind.
Welche Voraussetzungen brauche ich, um Pflegestelle zu werden?
Grundlegende Voraussetzungen sind vor allem Zeit, Geduld und Verantwortungsbewusstsein, eine Ausbildung als Hundetrainer:in brauchst du dafür in der Regel nicht. Wichtig ist, dass alle Personen im Haushalt einverstanden sind und bei einer Mietwohnung die Hundehaltung erlaubt ist, idealerweise schriftlich genehmigt.
Hast du bereits eigene Hunde oder Katzen, sollte der Verein den Pflegehund passend dazu auswählen, statt dich einfach irgendeinen Hund aufnehmen zu lassen. Die Aufenthaltsdauer kann dabei von wenigen Tagen bis zu mehreren Monaten reichen, weshalb eine gewisse Flexibilität wichtig ist. Ob du für deine Tätigkeit als Pflegestelle eine eigene Erlaubnis nach Paragraf 11 Tierschutzgesetz brauchst, hängt von der konkreten Organisation ab: Private Pflegestellen, die weisungsgebunden unter Aufsicht eines Vereins arbeiten, benötigen diese meist nicht selbst (Quelle: Gesetze im Internet, Bundesministerium der Justiz, https://www.gesetze-im-internet.de/tierschg/__11.html). Das solltest du im Zweifel trotzdem vorab mit dem Verein und dem örtlichen Veterinäramt klären.
Was sind die Aufgaben einer Pflegestelle?
Die wichtigste Aufgabe ist zunächst der ganz normale Hundealltag: füttern, Gassi gehen, beschäftigen, pflegen und den Hund sicher unterbringen. Hinzu kommt aber ein wichtiger Unterschied zur normalen Hundehaltung: Du lernst den Hund im Alltag kennen und kannst dem Verein wertvolle Informationen über Charakter, Verhalten und mögliche Probleme geben, die später bei der Vermittlung ins passende Zuhause helfen.
Je nach Verein können außerdem Tierarzttermine, Medikamentengabe, erste Trainingsschritte wie Stubenreinheit oder Leinenführigkeit sowie Treffen mit möglichen Adoptant:innen dazugehören. Wichtig dabei: Gib den Hund nicht eigenmächtig weiter und lass ihn nicht ohne vorherige Absprache kostenpflichtig behandeln, maßgeblich sind immer der Pflegevertrag und die Rücksprache mit deiner Ansprechperson im Verein.
Welche Kosten entstehen – und wer übernimmt sie?
Es gibt keine einheitliche Kostenregelung für alle Pflegestellen, deshalb solltest du das vorab beim jeweiligen Verein erfragen und den Pflegevertrag genau lesen. Wie hoch die Gesamtkosten für einen Hund grundsätzlich ausfallen können, zeigt eine Einordnung des Deutschen Tierschutzbundes: Für die gesamte Haltung eines Hundes werden laufende Kosten von etwa 1.200 bis 1.350 Euro pro Jahr veranschlagt (Quelle: Deutscher Tierschutzbund, https://www.tierschutzbund.de/tiere-themen/haustiere/hunde/hundehaltung/). Das heißt aber nicht, dass du als Pflegestelle diese Summe selbst tragen musst.
Wer einen Hund in Pflege nimmt, sollte sich vorab über die möglichen Kosten und deren Aufteilung informieren, denn die Regelungen unterscheiden sich je nach Verein. Futter und Leckerlis werden häufig von der Pflegestelle selbst getragen, während die Ausstattung wie Leine, Näpfe oder Körbchen entweder selbst beschafft oder vom Verein leihweise zur Verfügung gestellt wird. Tierarztkosten – etwa für Impfungen, Medikamente oder Operationen – übernimmt in vielen Fällen der Verein, meist jedoch nur, wenn zuvor eine Freigabe eingeholt wurde. Auch bei den Transportkosten gibt es keine einheitliche Regel: Mal übernimmt sie der Verein vollständig, mal musst du zunächst in Vorleistung gehen und dir die Kosten später erstatten lassen. Nicht zu vergessen ist außerdem die Hundesteuer, die je nach Gemeinde und Dauer des Pflegeverhältnisses ebenfalls anfallen kann.
Frag am besten schon vor der Zusage konkret nach: Wer trägt welche Kosten, musst du Rechnungen zunächst selbst bezahlen, und wie ist die Haftung bei Sachschäden oder Beißvorfällen geregelt? Eine Vergütung erhältst du als Pflegestelle in der Regel nicht, die Tätigkeit gilt als ehrenamtliches Engagement.
Fazit
Pflegestelle zu werden bedeutet, einem Hund für eine Zeit lang Sicherheit, Zuneigung und ein echtes Zuhause zu geben, auch wenn der Abschied am Ende oft schwerfällt. Je länger der Hund bleibt, desto schwerer wird dieser Abschied, aber wenn ein Pflegehund am Ende sein Forever Home ausgerechnet bei dir selbst findet, ist das keine Gefahr, sondern etwas Wundervolles.
Überlegst du, Pflegestelle zu werden, oder hast du selbst schon Erfahrungen damit gemacht? Schreib uns gerne, wir freuen uns von euch zu hören.


